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INTERVIEW MIT DIETER DÜWEL

DieterHerr Düwel: Sie sind Herausgeber der Fachzeitschrift ‘Englisch betrifft uns‘  für die Sie zusammen mit der Mit-Herausgeberin Jennifer von der Grün regelmäßig Beiträge schreiben. Zudem sind Sie –ebenfalls mit Frau von der Grün – Mitautor von zahlreichen Unterrichtsmaterialien für mehrere Verlage. Man staunt! Wie schaffen Sie es, das alles unter einen Hut zu bringen?
Natürlich bedeuten Herausgeberschaft und Autorentätigkeit neben dem Schulalltag eine zusätzliche Belastung, aber zum einen macht es wirklich großen Spaß und zum anderen arbeite ich ja seit Jahren mit meiner Kollegin Jennifer von der Grün zusammen. Da wir an derselben Schule unterrichten haben wir fast täglich Kontakt und können die freie Zeit zur Besprechung nutzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Teamarbeit erhebliche Zeitersparnis bringt und dass der ständige Gedankenaustausch vor allem das Entwickeln neuer Ideen beschleunigt.
Als Herausgeber von ‚Englisch betrifft uns’, sind Sie ‚mitten drin’, was die neuen Entwicklungen und Trends im Bereich EFL Englisch-Unterricht betrifft. Was sind für Sie die bedeutenden Trends?
Unsere Fachzeitschrift ist sehr praxisorientiert und bietet in  erster Linie Unterrichtsmaterialien für die Jahrgangsstufen 9-13 an, die direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Wir orientieren uns daher an den Lehrplänen der Bundesländer, die ja bekanntlich recht unterschiedlich sind. Trotzdem versuchen wir, sowohl thematisch als auch methodisch ein möglichst breites Spektrum abzudecken. Wir achten auf eine große Textvielfalt, wobei die Aktualität, z.B. bei Zeitungsartikeln oder Romanen, wichtig ist. Im methodischen Bereich legen wir ebenfalls auf Variabilität Wert, wobei die Entwicklung und Förderung unterschiedlicher ‚skills’ breiten Raum einnimmt. Der Trend zu schülerorientierten Arbeitsweisen, wie z.B. das Stationenlernen, wird berücksichtigt. Selbstverständlich hat in den letzten Jahren der Einsatz neuer Medien, vor allem des Internets, an Bedeutung gewonnen, dem wir dadurch Rechnung tragen, dass wir in unserer Rubrik „Media“ Vorschläge zur unterrichtlichen Arbeit mit (elektronischen) Medien vorstellen. Aber auch in fast allen übrigen Beiträgen werden Ideen zur Vertiefung des Themas unter Einbeziehung des Internets präsentiert. Die zweite Ausgabe 2010 von „Englisch betrifft uns“ wird dem Thema „New Media“ gewidmet. Schließlich versuchen wir, das kreative Schreiben zu fördern, das ebenfalls in den vergangenen Jahren in die Curricula – meiner Meinung nach zu Recht – verstärkt einbezogen wurde.

Wie sehen Sie die Rolle der englischen Sprache in der Zukunft? Wird englisch weiterhin so wichtig sein?
Ich bin überzeugt davon, dass die Bedeutung der englischen Sprache noch nie so groß war wie heutzutage und dass sie in der Zukunft noch zunehmen wird. Die Globalisierung und wachsende Mobilität werden zu einer noch stärkeren Kommunikation zwischen den Menschen führen und dabei wird Englisch als ‚lingua franca’ kaum zu ersetzen sein. Die Bedeutung der englischen Sprache wird übrigens auch zunehmend von unseren Schülerinnen und Schülern erkannt. Es kommt in letzter Zeit häufiger vor, dass sie von ihren ‚Kommunikationserlebnissen’, z.B. im Urlaub oder im Rahmen von Schulfahrten, berichten und betonen, wie wichtig es für sie war, sich in der englischen Sprache mitteilen zu können.
Viele Lehrer  beklagen den Zerfall der Lesekultur unter Jugendlichen. Wie sind Ihre Beobachtungen, was die Lesekompetenz Ihrer Schüler betrifft?
Ich glaube, dass dieses Thema sehr stark ‚geschlechtsabhängig’ ist. Sowohl in der Schule als auch in meinem privaten Bereich habe ich beobachtet, dass viele Mädchen weiterhin regelmäßig und intensiv lesen, während bei den Jungen der Trend eher zum Gebrauch der elektronischen Medien (z.B. Computerspiele) geht. Ich habe drei Nichten und drei Neffen im schulpflichtigen Alter und habe die Erfahrung gemacht, dass die Mädchen richtige Leseratten sind. Auch in meinen Oberstufenkursen sind es eher die Schülerinnen, die regelmäßig Romane, bisweilen auch in englischer Sprache, lesen. Natürlich machen sich diese Lesegewohnheiten auch im Unterricht bemerkbar. Starke Leserinnen und Leser entwickeln eher Fantasie und Kreativität als Diejenigen, die kaum Kontakt mit Literatur haben. Ich versuche, meinen Schülerinnen und Schülern dieses klar zu machen, indem ich an einen Ausspruch des verstorbenen Ehemanns meiner Kollegin, des bekannten Autors Max von der Grün, erinnere, der sagte, dass man nur gut schreiben kann, wenn man viel liest.
Inwiefern hat die Schulreform Ihren Schulalltag beeinflusst?
Der Begriff ‚Schulreform’ deckt natürlich ein sehr weites Feld ab. Was mir und meinen Kolleginnen und Kollegen in der letzten Zeit besonders aufgefallen ist, sind die Veränderungen durch die zentralen und teilzentralen Prüfungen in den verschiedenen Jahrgangsstufen. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Unterrichtsarbeit ist auf die Vorbereitung auf diese Prüfungen ausgerichtet. Damit bleiben weniger Zeit und Spielraum für die Durchführung interessanter und motivierender Unterrichtsreihen und –sequenzen. Auch die G8-Reform hat ihre Spuren im Englischunterricht hinterlassen, da Themen, Inhalte und Methoden komprimiert werden müssen.
Wie halten Sie es mit Disziplinproblemen im Unterricht?
In den über 30 Jahren meiner unterrichtlichen Tätigkeit habe ich immer gute Erfahrungen damit gemacht, die Schülerinnen und Schüler ernst zu nehmen und vor allem fair zu behandeln. Zweifellos ist es immer schwieriger geworden, mit Disziplinproblemen fertig zu werden, aber gerade deshalb halte ich es für unausweichlich, dass wir den Schülerinnen und Schülern klare Regeln vorgeben bzw. Absprachen mit ihnen treffen, die dann auch eingehalten werden müssen. Beliebigkeit, Unberechenbarkeit und Orientierungslosigkeit erhöhen die Disziplinprobleme.
Könnten Sie, von Ihrer Warte, Englisch Lehrerinnen und Lehrern einige Tipps zur Gestaltung des Unterrichts geben?
Als Herausgeber und Autor von „Englisch betrifft uns“ verweise ich natürlich gern auf die Beiträge und Vorschläge unserer Fachzeitschrift. Wir hoffen, dass wir mit unseren praxisorientierten Artikeln, die von erfahrenen Autorinnen und Autoren geschrieben werden, unseren Kolleginnen und Kollegen die eine oder andere Idee und Hilfestellung für den Unterrichtsalltag liefern können. Wir freuen uns übrigens über konstruktive Anregungen und die Bereitschaft von Autorinnen und Autoren, an den EBU-Ausgaben mitzuarbeiten.
Es ist mir bekannt, dass Sie ein exzellenter Tennisspieler sind. Was fasziniert Sie an Tennis?
Ich wundere mich schon über Ihre Informationsquellen! Die Charakterisierung als ‚exzellenter’ Tennisspieler weise ich natürlich zurück, da meine Mannschaftskollegen nach der einen oder anderen Niederlage anderer Meinung sein würden. Aber es ist richtig, dass ich seit meiner Jugend dem damals noch weißen Filzball nachjage und auch kaum eine interessante Tennisübertragung am Fernseher auslasse; ich würde mich daher schon als ‚Tennisbesessenen’ bezeichnen. Es ist vor allem die Kombination von physischen und mentalen Komponenten, die für mich die Attraktivität dieser Sportart ausmacht; das gilt für Hobbyspieler ebenso wie für Wimbledonsieger. Ich hatte übrigens schon die Gelegenheit, das wichtigste Turnier der Welt an drei Tagen live zu erleben, was wirklich beeindruckend war.
Ich genieße aber auch bei den Mannschaftsspielen das Zusammensein mit meinen Tennisfreunden während und vor allem nach den Spielen.
Außerdem bin ich in der glücklichen Lage, den Sport zusammen mit meiner Frau auszuüben, die ebenfalls eine passionierte Tennisspielerin ist. Entgegen der landläufigen Meinung harmonieren wir im Gemischten Doppel sehr gut und lassen kaum eine Gelegenheit aus, an Mixed-Wettbewerben teilzunehmen.
Mir ist auch bekannt, dass Sie ein sehr engagierter Fan von VFL Bochum sind. Wie finden Sie den neuen Trainer, Heiko Herrlich?
Es ist ja hinlänglich bekannt, dass man als Fan des VfL Bochum leidensfähig sein muss, aber glücklicherweise gibt es trotz einiger Abstiege in die 2. Liga auch zwischendurch Momente, die den Leidensdruck etwas lindern, wie z.B. die zweimalige Teilnahme am UEFA-Cup. Im Moment sieht es mal wieder nicht sehr gut aus, aber vielleicht kann Heiko Herrlich in der Rückrunde für mehr Erfolgserlebnisse sorgen. Ich habe allerdings einige Zweifel, da ich mir nicht vorstellen kann, wie ein Trainer, der bisher Auswahlmannschaften des DFB trainiert hat, eine Bundesligamannschaft im Abstiegskampf der Bundesliga erfolgreich betreuen soll.
Haben Sie einen Lieblingsautor?
Einen absoluten Lieblingsautor habe ich nicht, bin aber ein großer Freund der britischen Kriminalliteratur. In letzter Zeit gefallen mir besonders die Krimis von Peter James und Peter Robinson.
Fühlen Sie sich medienkompetent?
Ich denke, dass ich im Laufe der Zeit eine gewisse Medienkompetenz erworben habe. Ich versuche – teilweise mit Hilfe meiner Schüler – auf dem neuesten Stand zu bleiben und auch diese Medien in meinen Unterricht zu integrieren. Sehr hilfreich ist dabei die Beschäftigung mit dem Thema im Rahmen der Erstellung von zwei Viewfinder-Ausgaben zum Thema ‚Media’ beim Langenscheidt-Verlag zusammen mit meiner Kollegin Jennifer von der Grün gewesen.
Außerdem habe ich mehrfach im Unterricht produktorientiert im Bereich der Medien gearbeitet. Die Produktion von Soap-Episoden, Werbespots und News Programmes war sehr motivierend.
Was machen Sie sonst in Ihrer (knapp bemessenen) Freizeit?
Wie schon erwähnt, nimmt der Sport einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch. Darüber hinaus reise ich gern mit meiner Frau, wobei wir in den letzten Jahren die Insel Rügen als für uns ideales Urlaubsziel entdeckt haben. Die Vielfalt der Insel, aber vor allem die Möglichkeit, mit dem Fahrrad Rügen zu erkunden, beeindruckt uns sehr.