Wie waren Ihre Anfänge als Schriftstellerin?
Als ich (im letzten Jahrtausend!) anfing Kinderbücher zu schreiben, waren Kinder und Bücher mein Lebensmittelpunkt. Und ich bin meiner Leserschaft bis heute treu geblieben. Das Kind in mir schreibt immer weiter…
Mein erstes richtiges Kinderbuch war ein Bilderbuchkrimi: „Kennwort Tomate“, die Geschichte um einen Außenseiter, einen Fremden, den man zu Unrecht verdächtigt, ein „Räuber“ zu sein. Da geht es um Vorurteile und Mobbing in der Gesellschaft. Ein Thema, das leider immer noch sehr aktuell ist und für das man Kinder schon früh sensibilisieren kann
Welche sind, Ihrer Meinung nach, Ihre gelungensten Geschichten?
Kann das ein Autor von sich selbst sagen? Ich möchte keines meiner „Bücherkinder“ zurücksetzen oder vorziehen.
Am bekanntesten sind sicher die Geschichten von Kommissar Kugelblitz, der mich nun seit über 25 Jahren begleitet. Er ist kein cooler Superheld, der alles weiß, sondern er braucht dringend die Mithilfe seiner jungen Leser um die Fälle zu lösen.
(Und die Mithilfe seiner Leser braucht ein Autor schließlich auch immer, wenn er erfolgreich sein will!) Von KK gibt es inzwischen über 40 Bände und er ermittelt auch in fremden Ländern. Da erfährt der junge Leser nebenbei etwas über andere Sprachen (Italienisch, Türkisch, Englisch, Französisch). Und es gibt KK auch als Lizenzausgaben z.B. in Chinesisch, Indonesisch oder Catalan. Das finde ich selbst spannend.
Sie schreiben auch zweisprachige Kinderbücher. Ist das für Sie ein wichtiger Trend?
Die Mehrsprachigkeit ist äußerst wichtig in unserer multikulturellen Gesellschaft und sollte frühzeitig gefördert werden. Jeder weiß, wie aufnahmefähig Kinder schon im Kindergartenalter für eine (oder sogar mehrere) andere Sprachen sind.
Ich halte allerdings den augenblicklichen Trend, deutsche „Erstleser“ für Sprachanfänger in die Lernsprache (z.B. Englisch, Französisch) zu übersetzen, dafür nicht so geeignet. Die Syntax und der Wortschatz eines übersetzten Textes ist in der Regel zu schwer für die Kinder.
Man sollte Originaltexte lesen, z.B. Bilderbücher, Kinderbücher. Und man sollte einfache Texte für die jungen Leser von Muttersprachlern schreiben lassen. Auch Gedichte und Lieder in der Fremdsprache lernen kleine Kinder gern und schnell.
Woran arbeiten Sie zur Zeit?
Kommissar Kugelblitz in New York. Da ist wieder etwas Englisch gefragt.
Und eine Rittergeschichte in der Mut und Heldentum hinterfragt werden und der kleine „Ritter Löwenzahn“ schließlich herausfindet, dass der „Löwenzahn“, der als Trophäe eines angeblichen Kampfes mit wilden Löwen, seit den Kreuzzügen in der Familie verehrt wird, von einer Wildsau stammt.
Und dann entsteht gerade noch eine neue Folge der „Paula“-Reihe.
Was tun Sie, um Ihre Bücher zu promoten?
Ich gehe auf Lesereisen, engagiere mich dabei allgemein sehr für Lesefördermaßnahmen, verkaufe dabei aber prinzipiell keine Bücher. Die Promotion sollte eigentlich vom Verlag kommen. (;-)) Ich habe eine Webseite (www.scheffler-web.de) und beantworte fleißig meine Leserpost.
Hätten Sie aus Ihrem Blickwinkel als Kinderbuch-Autorin Anregungen für Sprachlehrer/innen?
Spannende, lustige Texte, Reime, Lieder aus der Lernsprache verwenden, kleine Szenen aus Bilderbuchtexten spielen, den Spaß am Lernen in den Vordergrund stellen. Man kann wunderbar mehrsprachig lachen!
Schreiben Sie für heutige Kinder anders als Sie für Kinder in der Vergangenheit geschrieben haben?
Dort wo es um die veränderte Umwelt und aktuelle Probleme geht, verändert sich auch der Text. Ein Kommissar verwertet Fingerabdrücke digital und Liebesbriefe werden als E-Mails verschickt, die multimediale Welt bestimmt auch den Kinderalltag mehr. Aber die inneren Probleme oder Konflikte der Kinder sind in etwa gleich geblieben
Sind Sie der Meinung, dass Geschichten bzw. Geschichtenerzählungen genug Raum in den Lehrplänen finden?
Die Präsenz des Kinderbuchs im Unterricht ist besser als früher. Da wurde wenig (bis keine) Kinderliteratur im Deutschunterricht verwendet. Heute steht Kinderliteratur im Lehrplan, aber ist es ist stark lehrerabhängig, wie intensiv Kinderliteratur im Unterricht eingesetzt wird.
Es gibt allerdings kein Verbot im Lehrplan, das Kinderbuch im Unterricht noch mehr zu nutzen. Der Erfolg wird die Lehrer belohnen.
Es gibt Spezial-Verlage (z.B. Hase und Igel Verlag) die den Lehrern Kinderliteratur preiswert als Klassenlektüre anbieten und den Lehrern die Verwendung der Bücher im Unterricht sehr erleichtern, denn sie bieten umfangreiches Begleitmaterial für den Unterricht an.
Also: nicht mehr Raum für Kinderliteratur in den Lehrplänen, sondern in den Herzen der Lehrer.
Wer sind Ihre Lieblingsautoren/innen?
Es sind zu viele!
Wie sehen Sie die Zukunft des gedruckten Buches? Werden Ebooks in absehbarer Zeit die favorisierte Form des Lesens werden?
Hoffentlich nicht für Kinder! Vor allem in die Hand der Erstleser und Bilderbuchkinder gehört ein „richtiges“ Buch. Sie sitzen in der Regel schon viel zu viel vor Bildschirmen.
Aber bestimmt ist das E-Book ein Trend, der sich nicht aufhalten lässt.
Für Fachliteratur ist das E-Book sicher eine große Erleichterung. Wer kann sich die teuren Bücher mit den niedrigen Auflagen sonst leisten?
Für mich ist eine „Non-Book-World“ eine schreckliche Vorstellung. Ich liebe meine Bücherregale. Die Vorstellung, dass stattdessen in Zukunft nur Bildschirme und White Boards an der Wand hängen lässt mich frösteln…
Was sagen Sie zu der oft gehörten Klage, die deutsche Sprache befinde sich im freien Fall?
In die Klage kann ich nicht einstimmen. Sprachen sind immer in Bewegung! Das ist normal. Seit es geschriebene und gedruckte Bücher gibt, ist es für alle Zeiten festgehalten. Kein Römer spricht mehr wie Caesar, kein Engländer wie Shakespeare und kein Deutscher wie Walther von der Vogelweide.
Es ist normal, dass z.B. Fremdwörter oder wissenschaftliche Bezeichnungen Eingang in den Wortschatz finden. Es wird (wie früher) immer verschiedene bildungs- und berufsabhängige Sprachebenen geben. Der Schulhofslang, die Reportersprache, die Ärztesprache, die Baustellensprache, die Beamtensprache, die Fliegersprache etc sind verschiedene Soziolekte.
Es wird auch immer mehr einen Wortschatz mit internationaler Relevanz geben, Begriffe, die man fast überall auf der Welt versteht. (Taxi, Computer, City, Hotel, Tennis, Bar, Snack, Hamburger, Airport, Coke, Bus, Terminal, Boss, Team etc).
Da nähern sich auch entfernte Sprachen, die im Verlauf der Jahrtausende auseinandergedriftet sind, einander wieder an.
Richtig ist, dass mit Sprache nicht immer so umgegangen wird, dass sie der Verständigung dient. Dort wo Sprache nicht so beherrscht wird, dass man seine Meinung und seine Gefühle ausdrücken kann, führt es zu Missverständnissen, Frust, Gewalt. Das fängt schon auf dem Schulhof, in der Familie, an und endet in der Politik.
Daher ist Sprachkultur ein wichtiger Faktor auf dem Weg zu friedlichem Zusammenleben. Sie ist unabdingbar für ein funktionierendes soziales Umfeld, für Konfliktbewältigung.
Und das Buch als Manifestation dieser Kultur ein wichtiges Gut.
Haben Sie das Gefühl, Sie haben sich als Schriftstellerin weiterentwickelt? Wenn so, woran merken Sie das?
Ich hoffe es! Stillstand wäre Rückschritt. Das „Gespür für Text“ entwickelt sich.
Es fällt mir leichter, Texte für eine bestimmte Zielgruppe, ein bestimmtes Lesealter zu schreiben, Ideen in Worte zu kleiden. Ich muss nicht schreiben, ich darf schreiben und bin froh darüber.
Gibt es Themen bzw. Motive, die in Ihren Geschichten, immer wieder vorkommen?
Sicherlich. Aber die Vielfalt ist in über 300 Büchern zum Glück zu groß um sie aufzuzählen.
Können Sie kurz Ihre Arbeitsweise beim Schreiben beschreiben?
Versuchen kann ich es: Bei langen Geschichten: Ich denke, mache einen Plan, erfinde Namen und Schauplätze und erst wenn die Geschichte halb fertig im Kopf ist, fange ich an zu schreiben.
Bei Kurzgeschichten ist es anders. Da hat man die Pointe im Kopf und schreibt daraufhin zu.
Welche Geschichte würden Sie gern schreiben?
Darüber denke ich gerade nach…